Der Kuss

Dunkelheit. Nur eine kleine Kerze am schwarzen Holztisch vor dir spendet ein wenig Licht. Du spürst wie sich dir jemand von hinten nähert. Ein kalter Hauch fließt über deine Haut und lässt dich erschauern. Im nächsten Moment spürst du eine Berührung auf deinem rechten Handgelenk. Mit vielem hättest du gerechnet, aber nicht damit. Du erschrickst kurz, doch eine beruhigende männliche Stimme sagt dir, dass du keine Angst zu haben brauchst, noch nicht. Die Berührung ist kalt, so kalt als würde dich ein Eiszapfen berühren, und doch ist es angenehm. Langsam gleitet die Berührung deinen rechten Arm hinauf. Mit jedem Zentimeter, den die Berührung sich deinem Hals nähert, wirst du immer hilfloser. Du kannst dich nicht mehr bewegen und gibst dich ganz dieser Sinnlichkeit hin. Ein kurzes Keuchen entweicht deinem Mund und deine Augen schließen sich. Die Berührung ist nun an deinem Hals angekommen. Ein weiterer kalter Schauer durchzuckt dich. Du bemerkst nun, wie die Berührung, die vorher nur ein Finger war, nun zu einer ganzen Hand wird und sich langsam um deinen Hals schließt. Du hebst den Kopf in die Höhe, neigst ihn leicht zur Seite, sodass deine Haare zur Seite gleiten, wie ein Seidentuch, und nun deinen Hals vollkommen entblößen. Die Hand streichelt nun deine Wange. Dein Mund öffnet sich in vollkommener Lust, als du eine weitere Berührung an deinem Hals spürst. Fremde Lippen berühren deinen Hals. Langsam öffnen sie sich und du spürst den harten Druck von Zähnen an deiner Haut. Ein kurzes Stöhnen entkommt dir, als sich die Zähne in deine Halsschlagader bohren. Eine Welle niemals gefühlter Ekstase durchzuckt dich. Du hörst eine Trommel. Nach einigen ewigen Momenten voller Lust merkst du, dass es sich um dein Herz handelt, dass du hier hörst. Eine zweite Trommel mischt sich nun ein. Zuerst schwach, doch sie wird immer stärker. Bald erfüllt nur noch das Geräusch dieser zweiten Trommel deinen Geist und du merkst wie dein eigenes Herz langsam immer langsamer schlägt. Plötzlich endet das Gefühl. Du hörst nichts mehr. Du öffnest deine Augen und siehst nur, wie das Licht auf dem Tisch gelöscht wird. Du öffnest deinen Mund. Du fühlst dich schwach, so schwach, dass du nicht einmal mehr schreien kannst. Plötzlich hörst du wieder die Stimme. „Hast du Angst?“, fragt sie dich. Du versuchst deinen Kopf zu schütteln, doch du schaffst es nicht. Du hörst einen kurzen Lacher, dann die Antwort des Fremden: „Das solltest du aber.“ Im nächsten Moment fühlst du, wie sich Wärme auf deinen Lippen ausbreitet. Die Wärme rinnt in deinen Mund und, ohne es wirklich zu bemerken, beginnst du diese Wärme aufzusaugen. Die Wärme beginnt sich in deinem ganzen Körper auszubreiten. Du erhebst dich und greifst in die Luft. Deine Hand trifft auf ein Handgelenk, aus dem diese befriedigende Wärme zu kommen scheint. Dein Instinkt sagt dir, dass du nun trinken musst, und im nächsten Augenblick haben deine Lippen das fremde Handgelenk fest umschlossen und du merkst, wie sich deine Eckzähne gewaltsam in das kalte Fleisch bohren. Du spürst abermals, wie sich die Wärme in deinem gesamten Körper ausbreitet. Dann fühlst du eine enorme Kraft, die dich daran hindert mehr zu trinken. Kälte breitet sich in dir aus. Du fühlst Schmerzen. Die Schmerzen übermannen dich und dein gesamter Körper ist nun in einem entsetzlichen Todeskampf gefangen. Nach wenigen Sekunden sind die Schmerzen so plötzlich vorbei, wie sie gekommen sind. Dein Herz scheint nicht mehr zu schlagen, aber es ist dir egal, du fühlst dich gut. Du siehst dich um, und merkst, dass du etwas in der Dunkelheit siehst, zwar nur Konturen, aber immerhin etwas. Vor dir steht ein Mann in einem langen dunklen Mantel, der dich scheinbar anlächelt. „Willkommen in der ewigen Dunkelheit, mein Kind!“, vernimmst du die männliche Stimme.

4.3.07 17:25

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