Mein erster Tod

Warum müssen die schönsten Tage nur immer so Enden? Was habe ich bitte Böses getan? Das würde ich echt gerne mal wissen! Man hilft den Leuten, gibt seine Freunde auf und vernachlässigt sogar die Schule, nur um mehr Zeit mit einem geliebten Menschen verbringen zu können.

Als Dank verliert man dann sein letztes Refugium vor der Welt. Als Dank nimmt man einem dann auch noch die letzte Sache, in der man nur mit der geliebten Person und ein paar guten Freunden Spaß haben kann, ohne über Probleme oder ähnliches nachzudenken. Als Dank wird nichts mit einem geredet, da ja andere Menschen wichtiger sind, als man selbst, der sich durch die Hölle selbst kämpfen würde, nur um die geliebte Person lieben zu dürfen.

Was kann man in einer solchen Situation tun? Die geliebte Person in den Armen halten? Wie denn, wenn man sie nur hört, und das die einzige Verbindung darstellt, jetzt wo alle anderen Möglichkeiten weg sind? Ist es notwendig sich selbst zu quälen? Was bringt das schon?

Einige wunderschöne Stunden und die Berührungen des geliebten Menschen. Doch zu welchem Preis? Den Verlust des eigenen Willens, der eigenen Wünsche und der eigenen Kameraden, die einen unterstützt haben und nun von einem ablassen, da man sie nur für den geliebten Menschen aufgab. Doch das Selbe kann man nicht von diesem geliebten Menschen verlangen, da man diesem Menschen damit einen Stich ins Herz verpassen würde, und dies ist nur dem geliebten Menschen erlaubt an einem selbst zu tun.

Man muss dem geliebten Menschen sogar den Dolch in die Hand legen, auf dass man sein Leben vollkommen aufgibt. Doch dazu wird es nicht kommen!

Nein, auf jeden Fall nicht. Ich weiß jetzt, wie ich es verhindern kann. Ich werde dem geliebten Menschen nicht die Genugtuung lassen, vollkommene Macht über mich zu haben.

Heute werde ich einen Schlussstrich setzen. Ich werde dem geliebten Menschen zeigen, dass ich selbst der Herr über mein Leben bin, ja, ich werde dem geliebten Menschen zeigen, dass nur ein Mensch bestimmen darf, wann ich diese Welt verlasse, und dieser Mensch bin ich selbst!

Die Schere neben mir sollte dafür doch reichen. Einfach nur in die Hand nehmen und an die Gurgel nehmen. Hälse sind doch etwas Tolles! Ein einziger Schnitt an der richtigen Stelle, und jegliche Macht über mich liegt wieder in meinen Händen. So hat der geliebte keine Macht mehr über mich.

Nie wieder wird der geliebte Mensch mir wehtun können. Nie wieder werde ich den geliebten Menschen verletzen. Nie wieder werde ich irgendwem ein Haar krümmen.

Die Menschen um mich herum müssen nur eines akzeptieren, und das ist, dass ich die einzig wahre Freiheit des Menschen haben will, nämlich die Freiheit zu bestimmen, wann ich gehen will. Und ich will jetzt gehen. Es hat einfach alles keinen Sinn mehr!

Die Klinge berührt meinen Hals, ich spüre die ersten Blutstropfen, doch dann kann ich nicht mehr weiter. Warum?

Ich will nicht aufgeben. Ich kann nicht aufgeben. Ich werde die Schmerzen weiter ertragen. Warum soll ich für etwas sterben, an dem andere Leute schuld sind?

Ja, nicht ich werde für deren Sünden büßen, sondern sie werden für jeglichen Schmerz, den ich erleiden musste mit ihrem Blut tausendfach bezahlen.

Die Schere fühlt sich gut an, ich bezweifle sogar, dass sich jemals etwas besser angefühlt hat. Ich bin gerade gestorben, auch wenn ich noch weiterlebe.

Mein schwaches Ich ist jetzt hinüber. Nie wieder werde ich nachgeben. Nie wieder werde ich einem Menschen soviel Macht über mich geben. Sogar der geliebte Mensch hat nun seine Macht verloren. Es ist jedoch nicht meine Schuld. Nein, nichts war meine Schuld.

Dabei hätten drei kleine Worte mein altes Ich gerettet, nur dieses Ich war dem geliebten Menschen nicht einmal drei Worte wert.

Das ist der Preis für Vernachlässigung. Ihr werdet es schon sehen.

 

7.5.07 22:51

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