Das Theater des Lebens

Oh, welch Meisterwerk des Regisseurs! Erst lässt er seine Hauptfigur das ganze Stück lang leiden, lässt ihn ungeahnte Höhepunkte erklimmen, nur um ihn dann schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Und just in dem Moment, als schon alles verloren schien, und sich der Hauptdarsteller an seine für ihn vollkommen blinde Welt anpassen wollte, just in dem Moment als er kurz davor stand sich das Augenlicht endlich zu nehmen, just in dem Moment als Resignation als der einzige Ausweg aus einem Gedankenpool des Leids schien...just in diesem Moment, als das Messer schon geschärft in seiner Hand lag, tritt die Wende ein. Brilliant! Ein Meisterstück!

Ein neuer Charakter wird eingeführt. Erst scheint er wie alles andere, doch dann weckt etwa das Interesse unseres Helden. Das Brodeln unter der äußeren Schicht scheint er bis zum Innersten seines Herzens zu hören. Ist es möglich? Ist es möglich, dass er doch nicht allein ist? Gibt es wahrlich noch Wesen, denn Menschen können dies wohl nicht, die wahrlich mit wissenden Augen und sehenden Gedanken durch die Welt schreiten.

Doch was mag das Stück nun im Petto haben? Mag es sich zu einem Entwicklungsroman wandeln? Wohl kaum. Eine Tragödie? Das wäre passend, jedoch sagt mir etwas, dass es das nicht tun wird. Dann vielleicht Komödie? Also witzige Elemente waren schon immer dabei, jedoch immer in einem galgenhumoristischem Stil. Viele Möglichkeiten bleiben nun nicht mehr. Doch blickt unser Held nun wieder in die Welt. Das erste Mal seit langem, sieht er einen winzigen Hoffnungsschimmer. Gibt es Rettung? Sieht der neue Charakter auch dieses Licht? Ja, er kann doch sein eigenes dunkles Licht nicht übersehen. Diese Ausstrahlung, diese untergründige Weisheit, diese ach so verletzliche und doch unverwundbare Natur.

Ewigkeit im Spiegelbild. Ja, das ist es. Warum kann man sich nicht ewig in den Spiegel sehen? Es macht einen glücklich...zum ersten Mal seit langem, zauberte sein Spiegelbild ihm ein Lächeln auf das schon tot geglaubte, unbewegliche Gesicht. Lang erschlaffte Muskeln regten sich. Und dann...lächelte es zurück. Welch Frohlocken!

14.7.08 11:58

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